Vom 18. bis 29. Juli 2024 machten sich 12 Wanderlustige der Sektion Hanau auf den weiten Weg per Zug und Fähre von Hanau nach Stockholm und weiter in das Weltnaturerbe Höga Kusten im Hohen Norden Schwedens. Nachfolgend berichten die Teilnehmer von ihren Eindrücken in der Hauptstadt Schwedens und der “hohen Küste” am bottnischen Meer.
Tag 1 - 18.07.24
🚆655 km 🚢 232 km 🚶♀️5 km
Wir sind in Hanau am Hauptbahnhof an Gleis 7 und beobachten lustige Dinge an den Tafeln. Züge verspäten sich, verspäten sich doch weniger. Zugbindungen sind immerhin aufgehoben, so dass man auf jeden vorbeifahrenden Zug aufspringen kann. So ähnlich haben wir es gemacht und sind pünktlich in Fulda angekommen, wo sich die ganze Reisetruppe zusammengefunden hatte zur Weiterfahrt nach Lübeck.
Die Ankunft in Lübeck war so komfortabel früh, dass wir einen wunderschönen Bummel durch die Hansestadt unternehmen konnten. Schöne, alte Gebäude und freundliche Menschen – Nordlichter eben. Ein Pop-up- Garten mitten in der Stadt mit netten Leuten. Super netter Austausch und noch im Gehen ein Eis am Stiel auf den Weg geschenkt bekommen.
Mit fast zweistündiger Verspätung begann ein lauschig lauter Abend auf der Fähre nach Malmö bei milden Temperaturen. Schlafen hat einigermaßen geklappt trotz Wasser unterm Kiel und Maschinenkrach. Die Fähre hatte die Verspätung wieder eingeholt und ist pünktlich in Malmö angelandet. Bei strahlender Sonne.
Für den Check-out von der Fähre stand leider nur ein Minibus zur Verfügung, so dass wir unsere Buspläne zum Bahnhof ändern mussten. Mit 10-kg-Rucksack ging’s im Stechschritt und Dauerlauf von der Fähre zum Bus. Wir landeten gerade pünktlich am Bahnhof Malmö und unseren Zug, mit dem wir schnell und geschmeidig übers Land schwebten, wie man es erträumt: Felder, Seen, Wälder.
Unser schönes Hotel bezogen. Ans Wasser gegangen – das ist ja nirgendwo in Stockholm weit weg. Ein bisschen von allem: beeindruckende Gebäude, gepflasterte alte Straßenzüge – fast autofrei, Aussichten auf Teile von Stockholm; ein leckeres Abendessen in Södermalm und anschließend noch ein Gang durch das Sommer-feiernde Stockholm. Ein paar exotische und sehr leckere Eisbälle genossen und einen Absacker in einer hippen Bar mit coolen Grooves und gut gelaunten Menschen.
Abschließend ein entspannter Weg zum Hotel durch die noch helle Sommernacht.
Um 9:00 Uhr losgezogen, um das Programm zu schaffen und vielleicht eine kleine „Fika“ (schwedische Kaffepause) einlegen zu können. Nach dem Schnuppern am Vortag war heute „richtiges“ Sighteseeing.
Start mit einem Gang zum Stadthuset – hier werden die Nobelpreistäger zum Essen geladen –, am Regierungspräsidium vorbei zum Schloss und weiter durch gepflegte Gassen, über fast autofreie Straßen, vorbei an skurrilen Läden, hoch auf den Berg von Södermalm bei Monteliusvägen und ein bisschen „rumgesessen“ und die Aussicht und den krachblauen Himmel und das sonnenglitzernde Stockholm genossen.
Nach dem Abstieg sind wir mit einer kleinen Fähre nach Kungsholmen übergesetzt und durch die tollen künstlerisch gestalteten U-Bahn-Stationen gestreift. Nach einem Zug durch die Markthalle gabs eine Runde Schiffchenfahren am Anfang des Schärengartens vorbei.
Am Morgen des dritten Tages gingen wir auf eine kleine Wanderreise mit Metro und Bus in Richtung Tyresta. Ein Nationalpark mit Urwald in der Region Stockholm. Die uralten Bäume haben Riesenwurzeln, auf denen man durch den Wald und an den Seen entlang wandert. Der abwechslungsreiche Weg ging über blanke Felsen, die von den Gletschern vor langer Zeit abgeschliffen wurden, dann wieder streckenweise an knorrigen alten Nadelbäumen vorbei über Holz-Stege. Mittagessen, Powernap oder Badeeinlage gab es an einem der Seen.
Abends hatten wir leckeres Essen in einem Lokal im Urban Deli im Sveavägen. Es war mal wieder ein lustiger Abend mit Absacker auf dem Roof Top und Aussicht auf ein nebliges Stockholm.
Tag 5 - 22.07.24
🚆7 km 🚶♀️7 km
Während ein Teil unserer Truppe sich beim Kajakfahren in der Sonne vergnügte und anschließend noch köstliche Kanelbullar verspeiste, entschied sich der Rest für den Schärengarten, also ein etwas größeres Schiff. Wir machten uns per Fähre auf zur Insel Grinda. Die Fahrt ging vorbei an vielen Inseln mit alten Sommerhäusern und Bootsanleger – Idylle pur! Wir haben die Insel zu Fuß umrundet und unsere tägliche Fika-Pause in der Marina eingelegt. Das kann man in Schweden lernen: ausgiebige Kaffeepausen gehören unbedingt zu einem gelungenen Tag! Danach mussten uns allerdings etwas beeilen, um die Fähre wieder rechtzeitig zurück nach Stockholm zu erreichen.
Tag 6 - 23.07.24
🚆527 km 🚶♀️11 km | 8 km
Sehr früh aus den Federn am folgenden Tag und mit Lunchpaket im Zug nach Örnsköldsvik ca. 500 km nördlich von Stockholm geschwebt. Bisschen aufgeregt - so weit nördlich wie nie.
Hier in Höga Kusten teilte sich die Gruppe in zwei Teile auf – ein Teil übernachtete im Hotel und der andere im Zelt – entsprechend unterschieden sich auch die Etappen.
Von Örnsköldsvik per Bus ein Stück zurück gen Süden nach Ullånger, wo wir am Nachmittag eine spektakuläre Wanderung unternahmen. Die Höhenmeter und der Weg über Wurzeln, nasse Steine und feuchte große Felsplatten waren eine Herausforderung – trotzdem wunderschön! Danach gab’s noch eine Fika in Hildas Wohnzimmer. Einfach nur liebevoll und herzlich!
Die Zelt-Gruppe stieg schon etwas früher aus dem Bus aus und startete ihre erste Etappe in Docksta, wo der Skuleberget in einer dicken Regenwolke hing und wir uns den Aufstieg ohne Aussicht auf Aussicht gespart haben. Der Regen verzog sich aber bereits wenige Minuten nachdem wir loslaufen und blieb auch für den Rest der Wanderung fern. So erreichten wir nach 11km unser Tagesziel, die Bucht Kälaviken, wo wir direkt am Meer unser Zelt aufbauten und das Lagerfeuer anzündeten.
Die Hotelgruppe machte sich auf den Weg von Ullanger nach Docksta. Vorbei an einzelnen Häusern in wunderschöner Landschaft mit großzügigen Grundstücken und ohne jeden Zaun! Eine Rast legten wir an einer alten Kirche ein und am Nachmittag erreichten wir unser Hotel in Docksta mit Sauna und Blick auf eine schöne Bucht. Der Aufstieg zum Skuleberget fiel leider ins Wasser, der Regen war zu heftig an diesem Nachmittag. Dafür wieder eine schöne Fika-Pause bei einer schwedischen Niederländerin.
Zum Abendessen gingen wir nach Veasand, einem schönen Lokal im nächsten Fjord (Norrfjärden).
Die Zelt-Gruppe genoss heute bereits die Durchquerung des Skuleskogen Nationalparks mit weiten Blicken und eindrucksvollen Felsstrukturen. Endlich konnten wir uns auch wieder mit frischem Essen und Wasser versorgen, sodass wir uns es abends in einer Bucht in der Nähe von Köpmanholmen so richtig gut gehen lassen konnten.
Die Hotelgruppe durchwanderte heute den Skuleskogen Nationalpark: spektakuläre Wanderung in wunderschöner Landschaft. Über Wurzeln, Steine und Stege. Unfassbar schöne Aussichten und Ansichten.
Oben auf der hohen Küste tut sich überraschend ein gigantischer Ausblick auf. Auf das bottnische Meer, Inseln und Berge in der Ferne. Das war ein wunderbarer Ort für eine ausgiebige friedliche Rast. Weiter ging es danach mit Kletterpartien abwärts und wieder aufwärts. Und so weiter. Und immer wieder neuen traumhaften Aussichten auf Wasser, Inseln und Felsen mit Moos und farbenfrohen Flechten. Dankbar für tapfere Füße und fleißige Beine, die einen dort hindurch und drüberweg tragen. Übernachtet haben wir heute in Köpmansholmen.
Die Zelt-Gruppe wanderte heute weiter zur Landzunge Balesudden und schwamm im glasklaren See Balestjärnen. Abends mussten wir dann nicht einmal das Zelt aufbauen, weil wir in einer gut ausgestatteten Holzhütte mit Stockbetten übernachten konnten. Es kam noch eine weitere Wandergruppe aus Norddeutschland dazu, sodass wir insgesamt mit elf Leuten in der Hütte schliefen.
🚶♀️16 km | 15 km Nach diesem grandiosen Tag unternahmen wir eine chillige Wanderung am Meer entlang mit ein paar Pausen am Strand und auf Felsen hockend – Blickrichtung Meer natürlich.
Nachmittags bekamen wir einmal mehr eine Busfahrt geschenkt, da das Kartenlesegerät defekt war. In Örnsköldsvik trafen wir wieder alle zusammen und unternahmen einen Rundgang durch die Stadt und einen Einkauf bei Coop, um für ein ausgiebiges Frühstück am nächsten Morgen im Zug nach Stockholm zu sorgen. Die Nacht im Viererzimmer im quietschenden Stockbett war easy nach den Erlebnissen und Herausforderungen des Tages.
Tag 10 - 27.07.24
🚆527 km 🚶♀️8 km
Der Schnellzug brachte uns am nächsten Tag ohne Umstieg direkt nach Stockholm zurück. Zurück in der Großstadt ließen wir zunächst unser Gepäck im Hotel zurück und machten uns dann in kleineren Gruppen auf den Weg um noch die letzten Sehenswürdigkeiten zu erkunden oder Kanelbullar und Gebäck in einem Café zu genießen. Die meisten trafen sich am späten Nachmittag in der Fotografiska, einem Fotografiemuseum mit wechselnden Ausstellungen in einem historischen Hafengebäude. Im Anschluss erklimmen wir die Klippen von Södermalm, dem südlichen Stadtteil von Stockholm und trafen uns alle zum letzten Abendessen inklusive Blick über das Stadtpanorama und beeindruckendem Sonnenuntergang.
Tag 11 - 28.07.24
🚆1936 km 🚶♀️3 km
Der letzte Stockholm-Tag war ein Fest! Gemütlicher Bummel durch die Stadt Richtung Skeppsholmen und sehr bald eine Kaffeepause in einem schönen Park unter lauschigen Bäumen. Entspannt ging’s weiter in das Moderna, das Vasa oder das Vikingar Museet. Je nach Geschmack.
Am Abend fuhr unser Nachtzug von Stockholm Central über Hamburg nach Berlin. Nach einer sehr lauten Nacht auf einer viel zu kurzen und harten Liege am nächsten Morgen mit 30 Minuten „Verfrühung“ anzukommen. Endlich gabs einen ersten Kaffee. Schließlich ging’s weiter über Fulda nach Hause.
Nach einer himmlischen Nacht im eigenen Bett im Tiefschlaf beginnt nun die Nachlese.
Ein besonderer Dank gilt Alex, auf deren Reisebericht der erste Entwurf dieses gemeinsam verfassten Textes basiert.
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