1. Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Verantwortung & Lebensdauer
- PSA umfasst alle Ausrüstungsgegenstände, die vor Absturz oder Verletzung schützen (z. B. Klettergurte, Schlingen, Helme, Seile, Klettersteigsets).
- Hersteller müssen ihre Produkte nach strengen EU‑Normen prüfen und eine Lebensdauer angeben.
- Nach Ablauf der Lebensdauer endet die Produkthaftung – ab dann trägt der Besitzer die volle Verantwortung.
- Für ehrenamtlich Tätige im DAV gilt: Versicherungsschutz besteht nur bei intakter Ausrüstung.
2. Gebrauchsanleitung (GAL): Das wichtigste Dokument
Die GAL enthält:
- Lebensdauerangaben
- Hinweise zu Lagerung, Pflege und Prüfung
- Warnhinweise (z. B. „Klettersteigset nach Sturz sofort aussondern“)
Bitte nicht wegwerfen – sie ist zentral für die eigene Sicherheit. Wenn die Gebrauchsanleitung (GAL) nicht mehr vorhanden ist: auf den Herstellerseiten findet man die Hinweise zu Lebensdauer, Prüfung, etc.
3. Textilausrüstung (Seile, Klettergurte, Schlingen, Helme aus Kunststoff, etc.)
Typische Schadensursachen
- Mechanisch: Steinschlag, Abrieb, Risse, beschädigte Nähte
- Umwelt: UV‑Strahlung, Hitze, Säuren, starke Verschmutzung
Wichtige Warnsignale
- Aufpelzung
- Verfärbung
- Schnitte oder Bandkantenverletzungen
- Sichtbarer Kern beim Seil
- Verhärtete oder geschmolzene Stellen
Lebensdauer
- Textilmaterial meist max. 10 Jahre (Herstellerangaben prüfen!)
- Gebrauchsdauer oft deutlich kürzer – abhängig von Nutzung und Lagerung
4. Bandschlingen: Ergebnisse der DAV‑Testreihe
Die DAV‑Sicherheitsforschung hat 163 gebrauchte Schlingen zerrissen – mit deutlichen Ergebnissen:
Dyneema (PE)
- Altert am schnellsten
- Schon nach 3–5 Jahren oft unter kritischen Festigkeitswerten
- Dünne Dyneema-Schlingen (6–8 mm) besonders empfindlich
- Optische Abnutzung (Aufpelzung, Verdunkelung) korreliert stark mit Festigkeitsverlust
- Empfehlung: Dyneema nach 3–5 Jahren aussortieren, spätestens nach 5 Jahren
Polyamid (PA)
- Klassische, breite Schlingen
- Optischer Zustand ist ein guter Indikator
- Bei normalem Gebrauch oft 6–10 Jahre verwendbar – immer Herstellerangaben beachten!
- Stark abgenutzte Schlingen immer aussortieren
Mischgewebe (PA/PE)
- Verhalten zwischen PA und Dyneema
- Optischer Zustand ebenfalls verlässlicher Hinweis
- Häufig genutzte Schlingen können schon nach wenigen Jahren kritisch sein
Generelle Empfehlung
„Aufgepelzte, ausgeblichene und schmutzige Schlingen sind gefährlich.“ (DAV Sicherheitsforschung)
5. Metallausrüstung (Karabiner, Sicherungsgeräte, Steigeisen, etc.)
Mechanische Schäden
- Verbiegungen, Kerben, deformierte Teile → sofort aussortieren
- Eingeschliffene Karabiner:
- Alu: bei 25 % Materialverlust aussortieren
- Stahl: bei 50 % Materialverlust aussortieren
- Verschlissene Verschlüsse (z. B. Magnetron, Ball‑Lock) → reinigen oder aussortieren
Umwelteinflüsse
- Rost bei persönlicher Ausrüstung selten kritisch
- Kontaktkorrosion bei Fixmaterial möglich
- Starke Verschmutzung kann Funktion beeinträchtigen (z. B. Sicherungsgeräte)
6. Praktische Empfehlungen
- Mindestens einmal jährlich komplette Materialprüfung
- Vor jeder Tour Kurzcheck
- Lebensdauerangaben der Hersteller beachten!
- Fixmaterial in Routen kritisch beurteilen
- Keine ultraleichten Produkte blind bevorzugen – oft geringere Reserven
- Bei Unsicherheit lieber aussortieren oder Fachleute fragen
- Rückrufe beachten: alpenverein.de → Warnhinweise
7. Wo finde ich das Produktionsjahr?
Einige beispielhafte, praktische Hinweise zum Auffinden des Produktionsjahres von sicherheitsrelevanter Ausrüstung zur Prüfung:
Bei nahezu allen PSA‑Herstellern (Petzl, Edelrid, Mammut, Skylotec usw.) ist das Produktionsdatum versteckt, aber eindeutig codiert. Typische Stellen:
Klettergurt
- Auf einem Etikett innen am Gurtband
- Angaben meist als:
- „Mfg: 2022“ (Mfg = Manufacturing Date) oder
- „Date: 2022‑05“ oder
- Seriennummer mit Produktionscode (z. B. „22A…“ → 2022, Januar)
Klettersteigset , bestehend aus:
a. Energieabsorber (Bandfalldämpfer)
- Auf einem eingenähten Etikett im Inneren oder an der Außenseite der Hülle
- Angaben meist als:
- „Mfg: 2022“
- „Date: 2022‑05“
- Produktionscode innerhalb der Seriennummer (z. B. „22A…“ → 2022, Januar)
b. Lastarme (Y‑Arme)
- Kleines Label am Gurtband
- Aufdruck direkt auf dem Band
- Format häufig:
- „2021“ oder
- „2021‑04“ (Jahr‑Monat)
c. Karabiner (siehe unten)
Seil
- Auf dem Endetikett am Seilende
- Auf dem Beipackzettel
- Auf dem Mantelband (bei manchen Herstellern)
- Formate:
- „Manufactured: 2021“
- „Batch: 2020‑11“
- Code wie „A20“ (A = Januar, 20 = 2020)
Karabiner & Hardware
- Eingelasert auf dem Metall:
- „20“ oder „2020“
- Seriennummern, die das Jahr enthalten
- Manche Hersteller nutzen Woche/Jahr (z. B. „0321“ = Woche 3, Jahr 2021) oder Tag/Jahr (13722)
Helm
- Innen auf der Schale:
- Uhrsymbol mit Pfeil → zeigt Produktionsmonat
- Jahreszahl daneben
- Beispiel: Pfeil auf „7“ + „2023“ = Juli 2023
Schlingen & Bandschlingen
- Auf dem eingenähten Etikett:
- „2021“ oder „2021‑03“
- Seriennummern mit Jahrescode
8. Fazit: Sicherheit geht vor
Ausrüstung hält nicht ewig. Viele Schäden sind gut erkennbar – aber nur, wenn man bewusst hinschaut. Die DAV‑Sicherheitsforschung zeigt klar:
Regelmäßige Kontrolle und rechtzeitiges Aussortieren sind entscheidend für die eigene Sicherheit und die der Seilpartner*innen.
Es ist sinnvoll für seine eigene Ausrüstung eine zentrale Übersicht „Lebensdauer PSA“ zu erstellen.
Mit Spalten wie:
- Ausrüstungsart
- Produktionsdatum
- Maximale Lebensdauer
- Typische Nutzungsdauer
- Prüfkriterien
- Seriennummer (für mögliche Rückrufe)
- Link zum Hersteller
Noch mehr Wissen für die, die mehr erfahren wollen:
https://www.alpenverein.de/artikel/nutzungsdauer-karabiner-seile-helme-klettersteigsets_a1acb469-ec21-4718-a487-9facc2f821d7 DAV Wissen (mit vielen Beispielfotos)
https://www.alpenverein.de/thema/ausruestung?tags%5b%5d=rueckrufe-warnhinweise Rückrufe und Warnhinweise vom DAV gesammelt
https://www.alpenverein.de/thema/sicherheitsforschung?utm_source=copilot.com DAV Sicherheitsforschung
https://www.bergundsteigen.com/magazinartikel/psa-im-bergsport/ Artikel zum Thema in „Berg und Steigen“ 25.06.2015